Gartenwerkzeug

Übertriebene Ordnungsliebe in Beeten

Zurückschneiden, Auslichten, Pflanzen und Düngen, der Gartenkalender ist im April rappelvoll, und da der Frühling bisher klimatechnisch ausgefallen ist, wartet auf und zwischen den Beeten in den kommenden Tagen ohnehin genug Arbeit. Daher sollte genau überlegt werden, ob denn überhaupt der ganze Garten umgegraben werden muss. Nicht nur wegen des akuten Zeitmangels in den nächsten Wochen oder möglicher Rückenschmerzen, sondern zugunsten des Mikrokosmos im Boden. Klingt jetzt vielleicht wahnsinnig wichtig und gebildet, aber es ist tatsächlich so und wurde bewiesen, dass es dem Bodenleben weitaus besser tut, wenn die Hobbygärtner auf’s Umgraben verzichten.

Ist Garten umgraben schädlich oder bringt es was?

Bei vielen Gartenbesitzern ist es der ausgeprägte Ordnungssinn, der sie dazu zwingt, ihre Gemüsebeete mindestens ein Mal im Jahr und wenigsten spatentief von vorn bis hinten umzugraben. Dabei wird die obere Bodenschicht komplett gewendet und gründlich gelockert sowie die Pflanzenreste mitsamt dem Unkraut in die tiefer liegenden Erdschichten umgelagert. Die zehn Milliarden Kleinstlebewesen, die sich in JEDEM Liter Gartenerde befinden, ebenfalls. Gemeint sind winzige Bakterien, Algen, mikroskopisch kleine Einzeller aber auch Milben, Strahlenpilze sowie Insekten bis hin zu den Regenwürmern und Maulwürfen. Alle diese Lebewesen sind jedoch auf sehr individuelle Lebensbedingungen fixiert, die sie so auch nur in wenigen, ganz bestimmten Bodentiefen vorfinden und die bringen wir mit unserer penibel sorgfältigen Graberei aber so richtig durcheinander.

Viele dieser nützlichen Lebewesen sterben aufgrund des resultierenden Sauerstoffmangels oder der späteren Trockenheit des Erdreichs ab. Jedoch auch die für das Wachstum unserer Pflanzen wichtigen Stoffwechselprozesse werden unterbrochen und nebenbei müssen durch den damit in Gang gesetzten Humusabbau auch noch unzählige Nährstoffe dran glauben. Bis sich die Erde von diesem Eingriff wieder vollständig erholt hat, gehen einige Monate ins Land! Und: Frisch umgegrabener Gartenboden ist eben nicht sauber, sondern in aller Regel steckt er voller Unkrautsamen, die sich in der nächsten Zeit massiv ausbreiten werden. Sie keimen bereits einige Tage später munter drauf los und verwandeln die Gartenerde in einen unansehnlichen Unkrautrasen.

Alternativen zum Umgraben?

Der Sauzahn, auch Tiefenlüfter oder Kultivator ist ein Gartengerät zur Bodenbearbeitung.

Eine optimale Variante wäre, wenn das Beet im Spätherbst mit einer Mulchschicht aus Ernteresten, halb reifem Kompost und Laub abgedeckt wird. Damit wird der Erdboden vor zu starken Temperaturschwankungen geschützt und übermäßiger Unkrautwuchs wird, wie auch das gefürchtete Verschlemmen, vermieden. Zusätzlich kann noch eine Gründüngung in den Boden gebracht werden, die ebenfalls ähnlich einer Mulchschicht bis in das Frühjahr hinein, schützt.

Frühling – die Zeit für den Sauzahn

Ich habe da mal ein Video gefunden, dass dieses unverzichtbare Werkzeug ziemlich genau erklärt. Dieser einzinkige Kultivator lockert den Boden sehr tiefgründig, ohne ihn dabei komplett zu wenden. Eine optimale Lockerung der Erde wird erreicht, wenn mit dem Sauzahn zunächst in Längs- und anschließend in Querrichtung gearbeitet wird, wobei ein Rautenmuster entsteht. Wurde vorher Gründüngung gesät, lassen sich eventuell eingewurzelte Pflanzenreste sehr leicht mit der Hand oder wenn nötig mit einem Grubber entfernen.

Erstaunlich, dass es diese beliebten Gartenhelferlein nicht in den Onlineshops von Obi, Globus oder Hagebau gibt – jedenfalls konnte ich sie unter dieser Bezeichnung nicht finden. Dafür findet man bei eBay ziemlich günstige Angebote, die bei ungefähr 15,- Euro beginnen. Wer seine Sauzahn für’s ganze Gärtnerleben haben möchte, sollte etwas mehr Geld anlegen und zu einem hochwertigen Angebot aus dem niederländischen sneeboer-Shop greifen, bei dem ich mich ganz herzlich für das Produktfoto bedanke. Und NEIN, dahinter ist kein Affiliatelink.

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