Alte & neue Sorten

Zurück in die Vergangenheit heißt es ja heute in vielen Lebensbereichen. Der Retrolook ist beliebt, nicht nur bei Küchengeräten, Möbeln, Autos und selbst bei der Mode. So ähnlich ist auch der Trend bei den Lebensmitteln. Es geht munter zurück in die Vergangenheit oder eben das, was man dafür hält. Der Blick, wie auch der Geschmack sind rückwärts gewandt und lässt die Kunden im Supermarkt die kulinarischen Genüsse von damals entdecken, als es weder Fipronil noch Dioxin in Eiern oder Glyphosat auf den Feldern gab.

Von der neuen Lust auf alte Sorten

Der Weg ins „Gestern“ beginnt oft gleich in Omas Kochbuch, mit Rezepten aus der 60er Jahren des letzten Jahrhunderts und da rücken die alten Obst- und Gemüsesorten bei Menschen, die sich bewusst und gesund ernähren wollen, immer mehr in den Fokus. Leider zeigt es sich aber recht schnell, dass diese Sorten nicht so leicht zu finden sind, da sie im Laufe der Jahrzehnte und entsprechend der gerade wünschenswerten Kriterien der Zeit umgezüchtet worden sind. Die Erwartungen der Landwirte, die sie an die Ernte aber auch bezüglich der Pflege an die Obst- und Gemüsepflanzen gestellt haben, wandelten sich leider oft. Es stand im Vordergrund, hauptsächlich solche ertragsstarken Pflanzen anzubauen, die einfach zu bewirtschaften sein mussten und dabei noch möglichst vollständig resistent gegen ertragsmindernde Krankheiten waren.

Ertragsmenge oder doch lieber Inhaltsstoffe?

Diese Züchtungen gelangen zwar, nur können viele der neuen Sorten geschmacklich wie auch von ihren Inhaltsstoffen her nicht wirklich mit den traditionellen Arten mithalten: Aber: Saure Äpfel, kräftiges Aroma und ein unregelmäßiges Äußeres verkaufen sich schlechter, sodass die Neuzüchtungen zunächst ein Erfolg waren. Dennoch besinnen sich gerade in letzter Zeit immer mehr Menschen auch wieder der alten Sorten, die vielleicht nicht so schön anzusehen sind, dafür aber mit einem unverwechselbaren Geschmack und ihrem hohen Anteil an Mineralien und Vitaminen punkten. Sowohl in Deutschland als auch bei unseren österreichischen Nachbarn gibt es bereits viele Vereinigungen von Züchtern, die sich mit der Erhaltung älterer Obst- und Gemüsesorten beschäftigen, besonders wertvolles Saatgut retten und darüber hinaus ständig auf der Suche nach den beinahe vergessenen alten Pflanzensorten sind.

Also geht der Trend wieder in Richtung Bauerngarten?

Wer als Gartenbesitzer Interesse an den alten Sorten hat, kann sich inzwischen an eine ganze Reihe von Züchtervereinen wenden, um dort frisches Saatgut der alten Art zu kaufen oder zu tauschen, die nicht nur gentechnikfrei sind, sondern sich durch ihren unkomplizierten Anbau auszeichnen und dennoch ausgezeichnete Erträge liefern. Dazu sind sie sehr robust und gedeihen, ähnlich wie die traditionellen Wildpflanzen, auch auf weniger guten Böden. Mitunter bieten die alten Sorten eine nicht ganz so glänzende Optik, wie ihre modernen Ableger, aber sie überzeugen dafür ganz klar mit ihren inneren Werten. Ein weiterer Vorteil: Es handelt sich dabei nicht um Hybridsaatgut, was somit ermöglicht, dass man sich aus diesen Samen – beispielsweise der Tomatenpflanzen – im darauf folgenden Jahr selbst wieder neue Pflanzen ziehen kann, die über das gleiche Erbgut verfügen. Würde man dagegen Saatgut von Hybridtomaten kaufen, können die Samen zwar zur Aufzucht neuer Pflanzen genutzt werden, die allerdings dann nicht mehr mit den Mutterpflanzen vergleichbar wären.

Wir werden uns in jedem Fall – ohne natürlich die neuen Sorten zu vernachlässigen – den alten Obst- und Gemüsearten in unseren Beiträgern ganz besonders intensiv widmen.